Montagmorgen, 8:15 Uhr. Ihr Posteingang zeigt 47 ungelesene E-Mails, in 45 Minuten beginnt das erste Meeting, und der Monatsreport für die Geschäftsleitung steht immer noch aus. Bisher bedeutete das: priorisieren, delegieren, improvisieren. Seit Ende März 2026 gibt es eine Alternative. Copilot Cowork, Microsofts neuer KI-Agent innerhalb von Microsoft 365, übernimmt genau solche mehrstufigen Aufgaben — nicht als einzelne Antwort auf einen einzelnen Prompt, sondern als eigenständiger Arbeitsprozess, der sich über Minuten oder Stunden erstreckt und dabei mehrere Anwendungen koordiniert. In meiner täglichen Arbeit als IT-Trainer beobachte ich, wie sich der Umgang mit KI-Assistenten gerade fundamental verändert: Weg vom reaktiven Frage-Antwort-Muster, hin zu einem proaktiven, aufgabenorientierten Arbeiten. Copilot Cowork ist Microsofts bisher ambitioniertester Schritt in diese Richtung. In diesem Artikel ordne ich ein, was Cowork tatsächlich kann, wie die Technologie dahinter funktioniert, was es kostet — und wo Sie realistischerweise noch an Grenzen stoßen werden.
TL;DR – Copilot Cowork: Microsofts agentenbasierter KI-Assistent
- Was: Copilot Cowork ist ein KI-Agent in Microsoft 365, der mehrstufige Aufgaben über mehrere Apps hinweg eigenständig plant und ausführt — mit 13 integrierten Skills von Word über Excel bis hin zu E-Mail und Kalender.
- Technologie: Multi-Model-Architektur mit Anthropic-Modellen (Claude) und OpenAI-Modellen. Cowork wählt automatisch das optimale Modell pro Teilaufgabe.
- Verfügbarkeit: Seit 30. März 2026 als Frontier Early Access für Microsoft-365-Pläne mit Copilot-Lizenz in ausgewählten Märkten und Sprachen (Start: USA, Englisch). E7-Lizenz und Agent 365 ab Mai 2026 GA; ein separates GA-Datum für Cowork hat Microsoft bisher nicht veröffentlicht.
- Kosten: Microsoft 365 E7 (Frontier Suite) für 99 USD/User/Monat oder Copilot separat für 30 USD/User/Monat.
- Kernunterschied: Der bisherige Copilot reagiert auf einzelne Prompts. Cowork agiert eigenständig über längere Zeiträume und koordiniert Aktionen über Anwendungsgrenzen hinweg.
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Was ist Copilot Cowork? Und was unterscheidet es vom bisherigen Copilot
Um Copilot Cowork einzuordnen, muss man einen Schritt zurücktreten. Der bisherige Microsoft 365 Copilot — der seit 2023 in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams integriert ist — arbeitet reaktiv. Sie stellen eine Frage oder geben einen Prompt ein, und Copilot liefert eine einzelne Antwort oder führt eine einzelne Aktion aus. Das ist hilfreich, aber es bleibt auf der Ebene von Einzelinteraktionen.
Copilot Cowork geht konzeptionell einen entscheidenden Schritt weiter. Es ist ein Agent, kein Assistent. Der Unterschied liegt im Grad der Autonomie: Während der klassische Copilot auf Ihre Eingabe wartet und dann reagiert, nimmt Cowork ein übergeordnetes Ziel entgegen, zerlegt es eigenständig in Teilschritte, erstellt einen Ausführungsplan und arbeitet diesen Plan über mehrere Anwendungen hinweg ab. Dabei kann ein einzelner Cowork-Task Minuten oder sogar Stunden dauern — weit über das hinaus, was Sie mit einem einzelnen Prompt im herkömmlichen Copilot erreichen.
Microsoft ordnet Cowork als Teil der sogenannten Wave 3 der Copilot-Evolution ein. Wave 1 brachte die grundlegende KI-Integration in Office-Anwendungen. Wave 2 führte kontextübergreifende Funktionen ein. Wave 3 markiert nun den Übergang zu agentic AI — zu KI-Systemen, die eigenständig handeln, Entscheidungen treffen und Aufgaben über Systemgrenzen hinweg koordinieren.
🚀 Hintergrundwissen Agentic AI: Wenn Sie die Grundlagen autonomer KI-Agenten und deren Unterschied zu klassischen Chatbots im Detail verstehen möchten, finden Sie in meinem Artikel Agentic AI erklärt: Warum autonome KI-Agenten 2026 die Arbeitswelt revolutionieren eine umfassende Einordnung des Konzepts.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Wenn Sie dem bisherigen Copilot sagen Fasse meine E-Mails der letzten Woche zusammen, erhalten Sie eine Liste. Wenn Sie Cowork sagen:
Bereite mein Montagsmeeting vor: Fasse die relevanten E-Mails zusammen, erstelle eine Agenda in Word basierend auf den offenen Punkten der letzten Besprechung und schicke die Agenda 30 Minuten vor dem Meeting an alle Teilnehmer.
Dann koordiniert Cowork diese Schritte eigenständig — liest E-Mails, durchsucht Meeting-Notizen, erstellt das Word-Dokument, setzt den Kalendertermin und verschickt die Einladung mit Anhang.
So funktioniert Copilot Cowork in der Praxis
Der Ablauf: Vom Ziel zum Ergebnis
Die Arbeit mit Copilot Cowork folgt einem klar strukturierten Ablauf, der sich in vier Phasen gliedern lässt:
Phase 1 — Zielbeschreibung: Sie formulieren Ihr übergeordnetes Ziel in natürlicher Sprache. Die Qualität dieser Beschreibung bestimmt maßgeblich die Qualität des Ergebnisses. Ein gutes Ziel ist spezifisch, gibt den gewünschten Output an und definiert den Kontext. Statt Erstelle einen Report wäre ein besserer Prompt:
Erstelle einen Monatsreport für das Vertriebsteam mit Umsatzdaten aus Excel, den wichtigsten Kunden-Updates aus meinen E-Mails und einer Zusammenfassung der nächsten Schritte aus den Team-Meetings der letzten Woche. Format: Word-Dokument mit Diagrammen.
Phase 2 — Planerstellung: Cowork analysiert Ihr Ziel und zerlegt es in konkrete Teilschritte. Diesen Plan zeigt es Ihnen transparent an. Sie können den Plan überprüfen, anpassen oder einzelne Schritte entfernen, bevor die Ausführung beginnt. In meinen Workshops betone ich diesen Punkt besonders: Die Transparenz des Plans ist ein entscheidender Vorteil gegenüber Systemen, die als Black Box agieren.
Phase 3 — Ausführung: Cowork arbeitet den Plan ab und koordiniert dabei Aktionen über verschiedene Microsoft-365-Anwendungen hinweg. Es greift auf Ihre E-Mails zu, liest Excel-Dateien, erstellt Word-Dokumente, plant Kalendertermine und vieles mehr. Dabei arbeitet es im Hintergrund — Sie können währenddessen andere Aufgaben erledigen.
Phase 4 — Steuerung und Genehmigung: Hier kommt das Human-in-the-Loop-Prinzip ins Spiel. Bevor Cowork eine vertrauliche Aktion ausführt — etwa eine E-Mail versenden, einen Teams-Post absetzen oder ein Dokument teilen — fordert es Ihre explizite Genehmigung an. Für ähnliche Aktionen innerhalb derselben Unterhaltung bietet die Oberfläche eine Option, die Rückfrage zu überspringen. Der Mechanismus ist also grundsätzlich eingebaut, lässt sich aber im Gesprächskontext bewusst lockern. Sie behalten die Kontrolle über Aktionen, die nach außen wirken.
Die 13 integrierten Skills
Copilot Cowork verfügt über 13 Skills, die den Funktionsumfang definieren:
- Word: Dokumente erstellen, bearbeiten, formatieren
- Excel: Tabellen erstellen, Daten analysieren, Formeln generieren
- PowerPoint: Präsentationen erstellen und anpassen
- PDF: PDF-Dokumente erstellen und verarbeiten
- E-Mail: E-Mails lesen, verfassen und senden (mit Genehmigung)
- Scheduling: Zeitplanung für Aufgaben und Deadlines koordinieren
- Calendar Management: Termine erstellen, verschieben, Konflikte erkennen
- Besprechungen: Meeting-Vorbereitung und Nachbereitung
- Tägliches Briefing: Zusammenfassung des Tages mit Prioritäten
- Unternehmenssuche: Informationen in der Organisation finden
- Kommunikation: Nachrichten in Teams-Kanäle posten (mit Genehmigung)
- Deep Research: Umfangreiche Recherche zu komplexen Themen
- Adaptive Karten: Interaktive Karten für strukturierte Informationsdarstellung
Zusätzlich bietet Microsoft die Möglichkeit, Custom Skills zu erstellen. Unternehmen können damit Cowork an branchenspezifische Workflows anpassen — etwa die Integration in ein internes Ticketsystem oder die Anbindung an branchenspezifische Datenquellen innerhalb des Microsoft-365-Ökosystems.
Praxisbeispiel: Meeting-Vorbereitung
Ein Szenario, das ich in meinen Trainings regelmäßig durchspiele: Sie haben um 10 Uhr ein Quartals-Review mit dem Management. Sie öffnen Cowork und geben ein:
Bereite mein Quartals-Review um 10 Uhr vor. Fasse die Ergebnisse aus der Excel-Datei "Q1-Zahlen.xlsx" zusammen, ziehe die wichtigsten Diskussionspunkte aus den E-Mails mit dem Betreff "Quartalsbericht" und erstelle daraus eine PowerPoint-Präsentation mit maximal 8 Folien. Schicke die Präsentation 15 Minuten vor dem Meeting an alle Teilnehmer.
Cowork erstellt einen Plan: (1) Excel-Datei öffnen und Kennzahlen extrahieren, (2) E-Mails durchsuchen und Kernpunkte identifizieren, (3) PowerPoint-Präsentation mit Diagrammen und Bullet Points erstellen, (4) E-Mail mit Anhang an Teilnehmer vorbereiten. Vor dem Versand der E-Mail in Schritt 4 stoppt Cowork und zeigt Ihnen den Entwurf zur Genehmigung.
Die Technologie dahinter: Claude, OpenAI und Multi-Model-Architektur
Einer der bemerkenswertesten Aspekte von Copilot Cowork ist die Technologie unter der Haube. Microsoft hat für Cowork Anthropics agentic harness und Claude als Reasoning-Modell integriert und eigene Features darüber gebaut. Es handelt sich also nicht um ein gemeinsames Entwicklungsprojekt, sondern um eine Technologiepartnerschaft — Microsoft lizenziert und integriert, Anthropic liefert die Modellgrundlage. Strategisch ist das dennoch bedeutsam, denn es markiert eine Abkehr von der bisherigen Exklusivbeziehung zwischen Microsoft und OpenAI.
Copilot Cowork nutzt eine Multi-Model-Architektur: Es setzt sowohl Anthropic-Modelle (Claude als Reasoning-Modell) als auch OpenAI-Modelle ein. Microsoft kommuniziert die konkreten Modellversionen nicht offiziell — intern kommen nach übereinstimmenden Berichten Modelle der aktuellen Claude-Generation zum Einsatz. Die entscheidende Innovation: Cowork wählt automatisch das effizienteste Modell pro Teilaufgabe. Für eine schnelle E-Mail-Zusammenfassung wird möglicherweise ein schlankes Modell eingesetzt, während für eine komplexe Datenanalyse oder Deep Research ein leistungsfähigeres Modell zum Einsatz kommt.
Warum dieser Architekturentscheid? Aus meiner Sicht verfolgt Microsoft damit zwei Ziele:
- Risikodiversifikation: Die Abhängigkeit von einem einzigen KI-Anbieter wird reduziert. Sollte ein Modell in bestimmten Aufgabenbereichen schwächeln, kann Cowork auf ein alternatives Modell ausweichen.
- Optimierung der Kosten-Leistungs-Balance: Nicht jede Teilaufgabe erfordert das größte und teuerste Modell. Durch die automatische Modellauswahl kann Microsoft die Infrastrukturkosten optimieren, ohne dass die Nutzer Qualitätseinbußen hinnehmen müssen.
Für Unternehmen bedeutet das: Die Qualität der Ergebnisse profitiert von den jeweiligen Stärken beider Modellfamilien. Claude-Modelle gelten als besonders zuverlässig bei der Befolgung komplexer Instruktionen und beim Umgang mit langen Kontexten, während OpenAI-Modelle in bestimmten kreativen und analytischen Aufgaben Stärken zeigen.
Kosten und Lizenzierung
Die Lizenzierung von Copilot Cowork ist an das neue Microsoft 365 E7-Lizenzmodell gekoppelt, das Microsoft als Frontier Suite bezeichnet. Hier die relevanten Zahlen:
| Lizenzmodell | Preis (USD/User/Monat) | Enthaltene Komponenten |
|---|---|---|
| Microsoft 365 E7 (Frontier Suite) | 99 USD | E5 + Copilot + Agent 365 (inkl. Cowork) |
| Microsoft 365 E7 ohne Teams | 90,45 USD | Wie E7, aber ohne Teams-Lizenz |
| Copilot separat (Add-on) | 30 USD | M365 Copilot + Cowork (Preview, Frontier-Zugang erforderlich) |
Die E7-Lizenz ab 01. Mai 2026 inkludiert neben den bisherigen E5-Funktionen den vollständigen Copilot-Zugang und die neuen Agent-365-Funktionen, zu denen Cowork gehört. Zum Vergleich: Die Einzelkomponenten summieren sich auf rund 117 USD (E5: 60 USD, Entra Suite: 12 USD, Copilot: 30 USD, Agent 365: 15 USD) — das E7-Bundle für 99 USD bietet also einen spürbaren Preisvorteil gegenüber der Einzellizenzierung.
📊 Kosten im Detail: Eine vollständige Aufschlüsselung der Microsoft 365 Copilot-Lizenzmodelle, versteckten Kosten und eine ROI-Kalkulation finden Sie in meinem Artikel Microsoft 365 Copilot für Unternehmen: Kosten, Lizenzierung & ROI.
Für Unternehmen, die bereits E5 und Copilot im Einsatz haben, ist der Upgrade-Pfad zur E7-Suite wirtschaftlich sinnvoll, wenn sie die agentenbasierte Automatisierung tatsächlich produktiv nutzen wollen. Für KMU mit niedrigerem Digitalisierungsgrad bleibt die separate Copilot-Lizenz für 30 USD zunächst die pragmatischere Wahl — Cowork ist hier bereits im Frontier-Programm verfügbar, jedoch ohne die zusätzlichen Agent-365-Features der E7-Suite.
Datenschutz und Enterprise-Governance
In meinen Workshops ist die Datenschutzfrage regelmäßig das erste Thema, das Teilnehmer aus dem DACH-Raum ansprechen — und das zurecht. Bei einem KI-Agenten, der eigenständig auf E-Mails, Kalender und Unternehmensdokumente zugreift, sind die Governance-Anforderungen entsprechend hoch.
Microsoft positioniert Copilot Cowork innerhalb der bestehenden Microsoft 365 Compliance-Infrastruktur. Das bedeutet:
- Zugriffskontrolle: Cowork kann nur auf Daten zugreifen, auf die der jeweilige Benutzer ohnehin Zugriff hat. Es gibt keine Eskalation von Berechtigungen. Wenn Sie keinen Zugriff auf eine bestimmte SharePoint-Bibliothek haben, hat Cowork ihn ebenfalls nicht.
- Genehmigungsmechanismus: Wie beschrieben, fordert Cowork vor jeder vertraulichen Aktion (E-Mail senden, Teams-Post, Dokumentenfreigabe) eine explizite Genehmigung an. Dieser Mechanismus lässt sich nicht deaktivieren.
- Compliance-Framework: Microsoft 365 Copilot und Microsoft 365 Copilot Chat sind laut Microsoft nach ISO/IEC 42001 (KI-Management-System) zertifiziert; darüber hinaus verweist Microsoft auf weitere Compliance-Angebote wie ISO 27001 für die breitere Plattform.
- DSGVO-Konformität: Für EU-Kunden gilt der bestehende Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit Microsoft. Unternehmen sollten vor dem Rollout prüfen, ob aufgrund der konkreten Verarbeitung und des Risikoprofils eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) erforderlich ist — Cowork weist durch seine erweiterte Autonomie ein anderes Risikoprofil auf als der bisherige Copilot.
Ein Punkt, den ich in der Praxis besonders betone: Der Genehmigungsmechanismus ist ein wirksames Sicherheitsnetz, aber er setzt voraus, dass die genehmigenden Personen die Inhalte tatsächlich prüfen. Wenn Mitarbeiter beginnen, Genehmigungen routinemäßig durchzuwinken, verliert der Mechanismus seine Schutzwirkung. Unternehmen sollten hier klare Richtlinien und Schulungen etablieren.
Limitierungen: Was Cowork (noch) nicht kann
So beeindruckend die Funktionalität von Copilot Cowork ist — es gibt klare Grenzen, die Sie kennen sollten, bevor Sie in die Planung gehen:
Eingeschränkter Wirkungsradius
Cowork operiert ausschließlich innerhalb des Microsoft-365-Ökosystems. Es gibt keinen lokalen Computer-Zugriff — Cowork kann keine Dateien auf Ihrer Festplatte öffnen, keine lokalen Anwendungen starten und keine Systemeinstellungen ändern. Ebenso fehlen Drittanbieter-Integrationen außerhalb von Microsoft 365. Wenn Ihr Workflow Salesforce, SAP oder andere Nicht-Microsoft-Systeme einschließt, kann Cowork diese Schritte nicht abdecken.
Im Vergleich zu Claude Cowork (dem eigenständigen Anthropic-Produkt) ist das eine wesentliche Einschränkung. Claude Cowork kann auf lokale Computer zugreifen und mit beliebigen Anwendungen interagieren. Copilot Cowork ist dagegen auf die Microsoft-Welt beschränkt — dafür aber tief in deren Sicherheits- und Compliance-Infrastruktur eingebettet.
Frontier-Programm und Verfügbarkeit
Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist Cowork ein Preview-Feature im Frontier-Programm — verfügbar für Microsoft-365-Pläne mit Copilot-Lizenz in ausgewählten Märkten und Sprachen, beginnend mit den USA und Englisch (en-us). Für den DACH-Raum ist derzeit kein offizieller Rollout-Zeitplan kommuniziert. Microsoft 365 E7 und Agent 365 werden ab Mai 2026 GA; ein separates GA-Datum für Cowork hat Microsoft bisher nicht veröffentlicht.
Die Zugangswege umfassen laut Microsoft den Browser (m365.cloud.microsoft) und die Microsoft 365 Copilot Desktop-App für Windows und Mac. Einzelne Learn-Seiten nennen zusätzlich Outlook und Teams als Zugangspunkte — die Dokumentation ist hier noch nicht einheitlich. Eine mobile Nutzung ist derzeit nicht vorgesehen.
Zuverlässigkeit und Halluzinationen
Auch Cowork ist nicht fehlerfrei. Als IT-Trainer sage ich meinen Teilnehmern immer: Die Ergebnisse eines KI-Agenten müssen genauso kritisch geprüft werden wie die eines menschlichen Kollegen, der neu im Team ist. Cowork kann Zusammenhänge falsch interpretieren, Daten fehlerhaft zusammenführen oder Prioritäten anders setzen, als Sie es erwarten. Die Genehmigungsschritte sind hier Ihr wichtigstes Qualitätskontroll-Instrument.
Change Management
Ein Aspekt, der in der Technologie-Begeisterung häufig untergeht: Die Einführung von Cowork ist kein reines IT-Projekt, sondern ein Change-Management-Vorhaben. Mitarbeiter müssen lernen, Ziele so zu formulieren, dass Cowork sie sinnvoll umsetzen kann. Sie müssen verstehen, wann sie einem Cowork-Ergebnis vertrauen können und wann nicht. Und sie müssen Genehmigungsprozesse ernst nehmen.
⚙️ Bessere Prompts, bessere Ergebnisse: Die Qualität Ihrer Cowork-Anweisungen bestimmt die Qualität der Ergebnisse. Bewährte Techniken für präzise Zielbeschreibungen finden Sie in meinem Guide Copilot Prompt Engineering: So schreiben Sie bessere Anfragen.
Für wen lohnt sich Copilot Cowork?
Die Frage, ob sich Copilot Cowork für Ihr Unternehmen lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab:
Enterprise-Unternehmen (500+ Mitarbeiter)
Für große Organisationen mit bestehendem Microsoft-365-E5-Stack ist Cowork ein logischer nächster Schritt. Die Zeitersparnis bei repetitiven, mehrstufigen Workflows — Reporting, Meeting-Vorbereitung, Kommunikationskoordination — kann signifikant sein. Der ROI ist besonders hoch in Abteilungen mit hohem Koordinationsaufwand: Projektmanagement, Vertriebsinnendienst, HR-Administration.
Meine Empfehlung: Starten Sie mit einer Pilotgruppe von 20-30 Power-Usern im Frontier-Programm. Identifizieren Sie drei bis fünf konkrete Workflows, die Sie automatisieren wollen, messen Sie die Zeitersparnis und bauen Sie daraus Ihren Business Case für den breiteren Rollout.
KMU (bis 500 Mitarbeiter)
Für kleinere Unternehmen ist die wirtschaftliche Betrachtung differenzierter. 99 USD pro User und Monat für die E7-Lizenz sind ein substantielles Investment. Mein Rat: Wenn Sie noch nicht einmal den Standard-Copilot (30 USD) produktiv nutzen, ist der Sprung zu Cowork verfrüht. Bauen Sie erst die Grundlagen auf — Prompt-Kompetenz, Datenstruktur in SharePoint, Prozessdokumentation — bevor Sie den nächsten Automatisierungsschritt gehen.
Die richtige Strategie: Jetzt testen oder warten?
Wenn Sie bereits im Microsoft-365-Ökosystem verankert sind und Copilot produktiv nutzen, spricht vieles dafür, das Frontier-Programm zu nutzen und erste Erfahrungen zu sammeln. Die Lernkurve ist überschaubar, und das Feedback aus dem Frontier-Programm fließt in die GA-Version ein.
Wenn Sie dagegen noch am Anfang Ihrer KI-Reise stehen, investieren Sie Ihre Ressourcen besser in Schulung und Prozessoptimierung. Cowork wird nicht verschwinden — und die GA-Version wird stabiler und funktionsreicher sein als die aktuelle Frontier-Variante.
Fazit: Der Agent ist da — aber er braucht Führung
Copilot Cowork ist ein genuiner Paradigmenwechsel in der Art, wie wir mit KI-Assistenten in Microsoft 365 arbeiten. Der Übergang vom reaktiven Copilot zum proaktiven Agenten, der mehrstufige Aufgaben eigenständig plant und ausführt, ist technologisch beeindruckend und praktisch relevant. Die Multi-Model-Architektur mit Anthropic und OpenAI zeigt, dass Microsoft Qualität und Zuverlässigkeit über Anbieterloyalität stellt — ein strategisch kluger Schritt.
Gleichzeitig ist Cowork kein Autopilot. Es ersetzt keine kritische Prüfung, kein Prozessverständnis und keine klare Zielbeschreibung. Als IT-Trainer sehe ich die größte Herausforderung nicht in der Technologie selbst, sondern in der Fähigkeit der Anwender, sie sinnvoll einzusetzen. Unternehmen, die in Schulung, Change Management und klare Governance investieren, werden den größten Nutzen aus Cowork ziehen.
Der Agent ist angekommen. Jetzt liegt es an Ihnen, ihm die richtigen Aufgaben zu geben.
Ihre Erfahrungen sind gefragt!
Haben Sie Copilot Cowork bereits im Frontier-Programm getestet? Oder planen Sie den Einstieg mit der E7-Lizenz ab Mai? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen — insbesondere bei welchen Workflows Cowork den größten Unterschied macht und wo Sie an Grenzen gestoßen sind. In meinen weiteren Copilot-Artikeln finden Sie mehr Praxis-Tipps und tiefgehende Analysen rund um den produktiven Einsatz von KI in Microsoft 365.
Quellen:
- Powering frontier transformation with Copilot and agents | Microsoft 365 Blog
- Copilot Cowork: A new way of getting work done | Microsoft 365 Blog
- Copilot Cowork now available in Frontier | Microsoft 365 Blog
- Introducing the first Frontier Suite built on intelligence trust | Microsoft Blog
- Copilot Cowork Overview | Microsoft Learn
- Copilot Cowork FAQ | Microsoft Learn
- Microsoft Copilot Cowork, AI Agents, Anthropic, E7, M365 SaaS | Fortune

